Skulpturenweg Natur-Reflexionen

Skulpturenweg Natur-Reflexionen der Landesgartenschau Rosenheim 2010

Das von Werner Böck, dem Vorstandvorsitzenden von Marc'O Polo, und der Stadt Rosenheim initiierte Skulpturenprojekt Natur-Reflexionen wurde 2008 ins Leben gerufen und wird anlässlich der Landesgartenschau 2010 in Rosenheim der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Projekt wird von Stefan Wimmer als Kurator betreut.

Ganz in der Tradition früher Landschaftsgartenprojekte werden die Skulpturen als ein wesentlicher Bestandteil der Gestaltung des öffentlichen Raumes in Rosenheim verstanden. Die Künstler haben deshalb alle neue Projekte, die direkt in Bezug zum Landschaftsraum stehen, entwickelt und dabei wichtige Themen unserer Zeit - wie Klimawandel, Energie, Wasser als Lebensquelle und unser Umgang mit Natur im urbanen Umfeld - aufgegriffen.

Ganz im Gegensatz zur Idee der Skulptur als Monument in der Landschaft des 18. und 19. Jahrhunderts wird in Rosenheim die Kunst im öffentlichen Raum als visuelles und ideelles Angebot verstanden. Die Künstler erhoffen und erwarten den interessierten und kritischen Betrachter ihrer Arbeit im öffentlichen Raum und wünschen eigene Sichtweisen der Besucher.

Insgesamt 10 künstlerische Arbeiten werden im Frühjahr 2010 der Öffentlichkeit vorgestellt. Sieben internationale Künstler werden eingeladen, neue Werke zu schaffen und 3 Künstler aus Rosenheim und der Umgebung hat eine 5-köpfige Jury aus Bewerbungen auf eine Ausschreibung ausgewählt. Wesentliches Ziel des Skulpturenprojektes ist es, junge und international renommierte Künstler aus dem Kulturraum Deutschland, Österreich und der Schweiz einzubinden.

Projekte des Skulpturenweges

Natur und Kultur

Der Schweizer Künstler Reto Leibundgut (CH) nutzt Naturelemente wie Steine der Flüsse Inn und Mangfall und wandelt diese zu kunstvollen und poetischen Objekten. Seine künstlerische Arbeit wird bestimmt durch den Aspekt des Recyclings. Oftmals verwendet er Industriematerialien und führt sie neuen Nutzungen zu. In Rosenheim wird er in seinem poetischen Mosaik das Baumaterial Natur zu einer neuen Bedeutungsebene zusammenfügen.

Heinrich Gartentor (CH) hat mit seinem Hochhaus für Rosenheim einen Spagat zwischen Natur und Kultur inszeniert, dessen Kräfte und Konnotationen sich gegenseitig beeinflussen. Die markante Architektur eines Turmes auf der Innseite von Stephanskirchen stellt den zentralen Gegensatz zwischen einer Naturlandschaft und der Kulturlandschaft dar. Mit der Zeit wird das Hochhaus aus Holz wieder von der Natur vereinnahmt werden und damit die Zeitzyklen und Wirkungsweisen von Natur und Gesellschaft sichtbar.

Christian Heß (D) aus Söchtenau wird in seiner Performance Flussläufe den Inn und die Mangfall als Wasserstraße nutzen und somit die frühere Bedeutung von Wasserstraßen aufgreifen. Insbesondere Rosenheim profitierte über die Jahrhunderte von den Wasserstraßen und mit der Landesgartenschau werden die Flüsse als touristische Attraktion und Lebensraum an Bedeutung gewinnen.

Natur und Imagination

Der Künstler Stephan Huber (D) - Professor und lange Jahre auch Rektor der Münchener Kunstakademie - beschäftigt sich seit vielen Jahren mit unseren Vorstellungen und Ideen von Natur. Er thematisiert in seinem Projekt "Der regnende Hut" den Kreislauf der Natur und gleichzeitig ironisiert er unsere Vorstellung der behüteten und vom Menschen domestizierten Kultur. Der regnende Hut wird am Hammerbach im nördlichen Mangfallpark installiert.

Natur als Erfahrung

Die Lichtprojekte von Mischa Kuball (D) sind seit mittlerweile zwei Jahrzehnten rund um den Erdball wichtige Interventionen in Stadt- wie Landschaftsraum. Mischa Kuballs Projekt des Silver Diamond nutzt Licht, um den Umgebungsraum des Menschen zu einem Erfahrungsraum zu machen und einen Unort zu einem idealisierten Kulturort zu wandeln. Die Unterführung der Innstrasse wird eine Art Lichtschleuse werden und die Spiegelung des Lichtes im Wasser wird gleichzeitig den Einklang des Lichts mit der Wellenbewegung und Veränderung des Wassers aufgreifen.

Natur und Klimawandel

Der in Wien lebende und arbeitende Künstler Werner Reiterer (A) macht den Betrachter in seinem Projekt des Nabel der Welt mit seiner subversiven und ironischen Vorgehensweise auf die Gefährdung der natürlichen Ressourcen und unseres Planeten aufmerksam. Der Welt geht die Luft aus und sie pfeift aus dem letzten Loch und doch stehen wir staunend daneben und unternehmen nichts. Der Nabel der Welt wird auf dem Innspitz realisiert.

Natur und Energie

Sonja Vordermaier (D) verwendet Industriematerialien und widmet diese unter dem Aspekt des Recycling und der Nachhaltigkeit zu Kulturwerten um. Hierbei legt sie in Ihrem Projekt Strassenlaternenwald besondere Aufmerksamkeit auf den Aspekt der nachhaltigen Energiewirtschaft. Sie nutzt die Strassenlaternen als Sinnbild der urbanen Umgebung und sichert das Überleben und die Schönheit des Strassenlaternenwaldes durch regenerative Energie. Die Kraft der Arbeiten von Sonja Vordermaier entsteht durch vielfältige Assoziationen, die sie bei den Betrachtern auslöst. Der Standort des Objekts wird auf der zentralen Rasenfläche im nördlichen Mangfallpark sein.

Mensch und Landschaftsgestaltung

Benjamin Bergmann (D) ruft mit seiner Quadriga vielfältige Assoziationen hervor. Ganz in der Tradition des Denkmals in der Gartenlandschaft des 18. und 19. Jahrhunderts wählt er die Quadriga als monumentales Objekt. Gleichzeitig hinterfragt er sowohl diese Tradition wie auch unseren Umgang mit Natur durch die Verwendung von vier Rasenmähern als Quadriga. Dieses Sinnbild der Domestizierung der Naturlandschaft und ihrer Umwertung zur Kulturlandschaft wird heroisierend hinterfragt.

Mensch und Stadt

Toni Stegmayer (D) aus Kolbermoor hat mit seiner Kunstfalle ein Sinnbild unseres Tuns geschaffen. So wie wir durch die Attraktion eines Kunstobjektes in die Falle gehen so vergisst der Mensch als Art oftmals durch die Neugier und Begeisterung für ein Objekt die Konsequenzen zu bedenken. Stegmayers "Hinterlist" steht in der Tradition bester künstlerischer Subversion, wie sie auch durch Künstler wie Karl Valentin repräsentiert wird. Die Kunstfalle wird auf dem Ludwigsplatz als zentralen Ort in der Stadt installiert.

Martin Fritzsche (D) (lebt und arbeitet in Bad Endorf) arbeitet mit Texten über Bedeutungszusammenhänge und löst Hinterfragungen von allgemeinen Floskeln aus unserer Sprache aus. Das Inszenieren von Worten, Botschaften und Fragen, - gedanklichen Stolperstellen, verweist den Betrachter auf sich selbst, das Menschsein. Authentizität /Echtheit, - formal in der Handschrift zu finden, ist ein zentrales Anliegen der Installationen. Sein Projekt Worte für Orte reflektiert unmittelbar seine Erfahrung mit Rosenheim. Hierbei dient der urbane Raum als Projektionsfläche und die verwendeten Worte bilden eine Art Reaktion auf die urbane Landschaft. Ort dieser Arbeit werden aller Voraussicht nach die Innenwände des wieder geöffneten Mühlbachs.

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